Presse


Die Welt vom 27/04/1973

Kalligraphien

Rose Hopp, deren Kalligraphien das Bauzentrum an der Esplanade erstmals ausstellt, ist eine autodidaktische Naturbegabung. Ihre Schriftbilder sind das Resultat der eigenen schwungvollen Handschrift.

Als Autodidaktin arbeitet sie spontan, kraftvoll, unreflektiert. Dabei entstehen faszinierende „Schriftbilder“ im Wortsinne, deren Spannweite sich vom lesbaren Brief bis zur frei formulierten Rhythmisierung ineinander wogender oder kreisender Linienflüge erstreckt, die zuweilen von ferne an die tachistischen Bilder von Matthieu erinnern. In einzelnen Blättern wie „Sternstunde“ ist es Rose Hopp gelungen, aus ihrer persönlichen Handschrift Kalligraphien zu entwickeln, die ostasiatischen Schriftbildern nahe kommen.


Die Welt vom 03/04/1975

Von Hamburg bis Mexiko

Frühjahrsausstellung bei der Galerie Mensch

Rose Hopp erweist sich von neuem als eine eigenständige Kalligraphin, die ihre schwarzweißen und neuerdings auch farbigen Psychografien mit viel Verve und Intuition jeweils aus einem zügigen Ansatz heraus spontan auf die Bildfläche schreibt.Hanns Theodor Flemming


Die Welt vom 03/10/1985

Auszug

Homogen und von schier unglaublichem Elan erfüllt sind die Kalligraphien von Rose Hopp, die in der Evangelischen Akademie an der Esplanade gezeigt werden. Aus ihrer ungewöhnlich schwungvollen Handschrift entwickelte sie eine Form von Schriftbildern, die durch spannungsreiche Lebendigkeit fesseln und ganz eigene ästhetische Reize vermitteln.


Hamburger Abendblatt vom 06/08/1985

Auszug

Buchstaben und Wörter werden zur Kunstform 

In Ausstellungen zeigt Rose Hopp ihre Buchstabenbilder, die sich in großen Bögen, steilen Oberlängen und raumgreifenden Schnörkeln ergingen. Jetzt lässt sie, wie in der Evangelischen Akademie zu sehen ist, die Feder nur in wenigen Kurven über das weiße Papier gleiten, wobei die Nuancen von tiefem Schwarz zu transparentem Grau fließend wechseln....


Hamburger Abendblatt vom 19/09/1985

Auszug

Aktendeckel war der Schlüssel zum Erfolg

Zuerst mache ich mich ganz leer, versuche an nichts zu denken und dann“, sagt Rose Hopp mit einer weitausholenden Handbewegung, „dann kommt die künstlerische Eingebung explosiv, und ich fahre wie eine Wilde übers Papier.“Was sie dort auf dem weißen Nichts mit Tusche und Spachtel hervorbringt, sind grau-schwarze abstrakte Bilder. Schon die Chinesen haben diese transparente Maltechnik in jahrhundertelanger Tradition zur Vollendung geführt. In Hamburg wird die Dame längst als großes Talent gehandelt, bishin konkurrenzlos auf dem Gebiet der Kalligraphie, der Kunst des schönen Schreibens, mit der ihre Karriere anfing... 


Hamburger Abendblatt vom 05/04/1993

Die Schriftkünstlerin von einst hat sich von der strengen Bindung an die Schrift befreit und ist zur Malerin der Abstraktion geworden.


1994

Meditative Zeichen

Kalligraphien und abstrakte Malerei

Berlin

Nach anfänglichem Arbeiten mit dem Filzschreiber inspirierten mich eindrucksvolle Texte, die ich intuitiv mit der Bandreißfeder auf Papier brachte. Mit dem Wechsel über den Pinsel auf Spachtel entfernte ich mich in den 80er Jahren immer mehr von der Kalligraphie hin zur abstrakten Malerei.Rose Hopp, 

1994

Als ein autodidaktisches Naturtalent erweist sich die in Hamburg lebende gebürtige Berlinerin Rose Hopp, deren kurvenreiche kalligraphischen Malereien nun zum ersten Mal in ihrer Geburtsstadt Berlin ausgestellt werden. Ihre Schriftbilder waren anfangs das Resultat der eigenen schwungvollen Handschrift, die sie im Laufe ihrer langjährigen Tätigkeit in der Verwaltung der früheren Hamburger Werkkunstschule und des späteren Fachbereichs Gestaltung der Fachhochschule Hamburg ohne Rücksicht auf die jeweiligen sachlichen Zwänge mit viel Verve in spontanem Duktus ungemein frei entfaltete.

Erst nach ihrer Pensionierung konnte Rose Hopp völlig frei und ungebunden arbeiten – spontan, kraftvoll und unreflektiert. Dabei entstanden zunächst Schriftbilder im Wortsinne: Schriftkompositionen, Schriftspiegelungen und Reflexe, deren Spannweite vom lesbaren Brief bis zur frei formulierten Rhythmisierung ineinander wogender oder kreisender Linienflüge reichte, die von ferne zuweilen an tachistische oder psychografische Werke des Informel anklangen.In einzelnen Blättern gelang es der Künstlerin, aus ihrer persönlichen Handschrift ausgewogene Schriftbilder zu entwickeln, die ostasiatischen Kalligraphien nahe kommen. 

Zeitweise hat Rose Hopp ihre mit dem Filzstift skizzierten kalligraphischen Arbeiten im Siebdruckverfahren auch auf Seidentücher übertragen und so ihren zuweilen ostasiatisch anmutenden Bildzeichen zusätzlich eine dekorative Dimension erschlossen.In ihren neuen Werken gelangte Rose Hopp mehr und mehr von der Zeichnung zur Malerei, und in ihren mit dem Spachtel gemalten Kompositionen tritt auch die Farbe als wesentliches gestalterisches Element hinzu. Dabei erreichen ihre kühn gemalten Spachtelschwünge innerhalb des Kalligraphischen oft dreidimensionale Wirkungen. In stilistischer Hinsicht bewegen sie sich nunmehr im weiten Feld zwischen Psychografie und action painting, ohne dabei ihre unverkennbar eigene Note einzubüßen.

Prof. Dr. Hanns Theodor Flemming,

1994 Dozent der Fachhochschule Hamburg für Kunst + Gestaltung


Verallgemeinertes Selbstbildnis zu den Werken von Rose Hopp im Kunstamt Steglitz- gekürzt -

Ein abstraktes Bild verneint zunächst den unmittelbaren Bezug zur sichtbaren Welt. Ein abstraktes Bild soll vielmehr eine Verallgemeinerung des Gestaltens bezeichnen. Rose Hopp schafft in ihren Schriftbildern und Malereien abstrakte, gänzlich ungegenständliche Werke. Doch stellt sich angesichts dieses Oeuvres die Frage: Haben Abstraktionen mit der sichtbaren Wirklichkeit nichts mehr gemein?Die Arbeiten von Frau Hopp zeigen uns exemplarisch auf, wie die Abstraktion vom Gegenständlichen geboren wird und in ihrer malerischen Verdichtung auf die entscheidenden Aspekte der Wirklichkeit zurückweist.Rose Hopp wählte das Schriftbild zu ihrem gestalterischen Ausgangspunkt. 

Es entstanden virtuos über das Blatt gezogene Skripturen. Frau Hopp brachte in brillanten Linien einen Text auf das Blatt. Diese Niederschrift wiederholte sie vielfach. Somit stand am Ende des gestalterischen Prozesses nicht mehr der einzelne Text, der dem Betrachter ablesbar wäre. Die Überlagerung der Schriften führt zu einer Verdichtung. Der Text verliert seinen konkreten Inhalt. 

Der Betrachter kann nun eine ganz neue Geschichte im Bild lesen: Er sieht ein allgemeines Textfeld, ein abstraktes Bild eines Textes an sich. Der Text ist dabei zunächst eine scheinbar serielle Reihung von Skripturen. Doch sein streng definiertes Textfeld lebt aus sich selbst heraus. Die Durchdringung der Skripturen führt zu einem pulsierenden Geflecht. Das Textfeld schweigt also nicht; es ist auch nicht gleichlautend. Vielmehr sprechen hier unzählig viele Stimmen aus diesem Bild heraus.Fortschreitend in ihrer gestalterischen Entwicklung konzentrierte sich Rose Hopp auf ihre eigene Stimme, die wie ein Fragment aus dem Textfeld herausgelöst und zu einer isolierten Gestalt geführt wird. Bewirkte das zuvor dargelegte Textgeflecht im Betrachter noch viele Assoziationen, besonders an ornamentale Initialengestaltungen, so verselbständigt sich nun die schönlinige Ranke. Rose Hopp führt die Negation der vordergründigen Bedeutung auf ihre Spitze. 

Denn dem Betrachter bleibt nicht einmal mehr die diffuse Ahnung von einem völlig unbekannten Text. Die Verbindung zwischen dem Zeichen und seiner vordergründigen Bedeutung wird gänzlich aufgelöst.Es bleibt allein die Geste der Gestaltung und die schöpferische Entfaltung auf der Bildfläche stehen. Rose Hopp konzentriert sich nunmehr auf die eine, alleinige Spur der Handlung. Es ist nicht mehr der komplexe Verlauf einer Schrift. Es ist nur noch der einzelne, kraftvolle, dynamische Zug des Spachtels über das Papier. Doch verlieren die Arbeiten dadurch nicht an Dramatik; vielmehr zeigen sie die kreative Kraft und schöpferische Freude. 

Förmlich aus der Hand fließt Rose Hopp der Lebensstrom auf das Papier.Ausgehend von der Anfangsfrage gelangen wir damit zu dem Schluß, dass auch diese ungegenständlichen Werke von Rose Hopp dem Betrachter sehr wohl eine Botschaft mitteilen und nicht nur ornamentale Dekoration sind.Die Werke von Rose Hopp erzählen von der Energie und dem Willen der Künstlerin. Sie sind nicht nur Ausdruck, sondern auch Bildnis der Künstlerin selbst. So finden wir in Rose Hopps Werken ein komplexes Stück unsere Wirklichkeit wieder.

Martin Schönfeld Kunsthistoriker und Kunstkritiker.