Ein abstraktes Bild verneint zunächst den unmittelbaren Bezug zur sichtbaren Welt. Ein abstraktes Bild soll viel mehr eine Verallgemeinerung des Gestaltens bezeichnen

  • Rose Hopp schafft in ihren Schriftbildern und Malereien abstrakte, gänzlich ungegenständliche Werke. 

    Doch stellt sich angesichts dieses Oeuvres die Frage: Haben Abstraktionen mit der sichtbaren Wirklichkeit nichts mehr gemein?


    Die Arbeiten von Frau Hopp zeigen uns exemplarisch auf, wie die Abstraktion vom Gegenständlichen geboren wird und in ihrer malerischen Verdichtung auf die entscheidenden Aspekte der Wirklichkeit zurückweist.


    Rose Hopp wählte das Schriftbild zu ihrem gestalterischen Ausgangspunkt. Es entstanden virtuos über das Blatt gezogene Skripturen. Frau Hopp brachte in brillanten Linien einen Text auf das Blatt. 


    Diese Niederschrift wiederholte sie vielfach. Somit stand am Ende des gestalterischen Prozesses nicht mehr der einzelne Text, der dem Betrachter ablesbar wäre.

 Die Überlagerung der Schriften führt zu einer Verdichtung. Der Text verliert seinen konkreten Inhalt. Der Betrachter kann nun eine ganz neue Geschichte im Bild lesen: Er sieht ein allgemeines Textfeld, ein abstraktes Bild eines Textes an sich. Der Text ist dabei zunächst eine scheinbar serielle Reihung von Skripturen. Doch sein streng definiertes Textfeld lebt aus sich selbst heraus. Die Durchdringung der Skripturen führt zu einem pulsierenden Geflecht. Das Textfeld schweigt also nicht; es ist auch nicht gleichlautend. Vielmehr sprechen hier unzählig viele Stimmen aus diesem Bild heraus.


Auszug Martin Schönfeld Kunsthistoriker und Kunstkritiker.